Barrierearmes Design: Digitale Teilhabe im Social-Media-Marketing
Wie ein Gesetz Online-Präsenzen für immer verändert
Diese Lücke soll mit Hilfe des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes, kurz: BFSG, geschlossen werden. Mit dem BFSG wird die EU -Richtlinie zur Barrierefreiheit (European Accessibility Act, kurz: EAA) umgesetzt. Es stellt sicher, dass Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen von allen Beteiligten nach den Richtlinien der Web Content Accessibility Guidelines 2.2, kurz WCAG 2.2, berücksichtigt und erfüllt werden.
In diesen Richtlinien werden konkrete Anforderungen definiert, wie Inhalte im Internet gestaltet werden sollen, um diese für Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen zugänglich zu machen. Hierzu zählen neben den bekannten kognitiven Einschränkungen auch visuelle, motorische und auditive Einschränkungen in unterschiedlichsten Ausprägungen, unabhängig von deren Dauerhaftigkeit. Im WCAG sind die Einschränkung in 3 Konformitätsstufen unterteilt: Stufe A, Stufe AA, Stufe AAA. Abhängig von der Intensität der Einschränkung gilt die Konformitätsstufe A (gering) bis AAA (sehr ausgeprägt).
Derzeit wird über das BFSG überwiegend hinsichtlich barrierefreier Webseiten und Produkte diskutiert. Ein genauer Blick in die Richtlinien zeigt jedoch mehr: Das BFSG markiert einen Wendepunkt, in dem es nun auch rechtlich die Notwendigkeit betont, digitale Inhalte, Produkte und Dienstleistungen für alle Menschen gleichermaßen zugänglich zu machen. Davon sind neben Webseiten auch Social-Media-Plattformen betroffen.
Was bedeutet digitale Barrierefreiheit?
"Barrierearmut im Netz" - Checkliste
Wie schafft man einen barrierefreien Zugang zu Inhalten im Netz? Unsere kostenlose Checkliste gibt dir einen Überblick. Hier downloaden.
Welche Bedeutung hat das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für die barrierearme Gestaltung
- Texte
- Bildmaterialien
- Bewegtbildcontent
- Audioaufbereitung
Eine optimale Strategie für Social-Media-Beiträge integriert die Prinzipien der Barrierefreiheit bereits im Kreativprozess. Hierbei wird zwischen beeinflussbaren Elementen und solchen, die durch Plattformeinstellungen konfiguriert werden können, unterschieden.
Die WCAG-Richtlinien gelten dabei unabhängig von der Art oder Aufbereitung der Social-Media-Plattformen, dem spezifischen Design der Beiträge oder der zugrunde liegenden Webseiten-Inhalte. Ob Story-Formate, statische oder animierte Feed-Posts, bezahlte Anzeigen, Shorts oder Reels. Alle Beiträge sollten der barrierearmen Gestaltung unterliegen.
Quelle: LinkedIn, Bildbeschreibung im Beitrag (Alt-Text)
Konkrete Maßnahmen
- Nutzung von Voice-Over für Bewegtbildmaterial
- Einpflege von Alt-Tags für statische Bilder berücksichtigen
- Schriftliche Zusammenfassung des Bildes oder Videos im ersten Kommentar oder der Beschreibung unterhalb des Postings für Screen-Reader anbieten
- Lautstärke und Aussprache laut und deutlich gestalten
- Starke Farbkontraste in der Gestaltung wählen
- Große Schriftgrößen auf Beiträgen, Untertiteln und Grafiken anwenden
- Sprungmarken (Time Stamps) und Kapitelbeschreibungen innerhalb eines Videos erstellen
- Klare und einfache Sprache als Zusatznutzen anbieten
Quelle: YouTube, Sprungmarken und Kapitel hinzufügen
Quelle: LinkedIn, Farbkontraste einer Grafik anpassen
Beispiele gelebter Barrierefreiheit
Quelle: Instagram / Tagesschau, Hoher Kontrast, ausführliche Zusammenfassung in der Beschreibung
Quelle: Instagram / Tagesschau, Gut verständliches Voice-Over, ausführliche Zusammenfassung, deutliche Untertitel
Welche Herausforderungen entstehen bei der Gestaltung von barrierearmen Social-Media-Posts
Eine der größten Hürden besteht darin, den Überblick über die Fülle an Funktionen und Individualisierungsoptionen zu behalten und diese plattformübergreifend optimal für den eigenen Content zu nutzen. Social-Media-Plattformen gehen sehr unterschiedlich mit der Generierung und Präsentation barrierefreier Inhalte um. Assistierende Techniken, die beispielsweise auf Instagram verfügbar sind, sind möglicherweise nicht auf TikTok oder YouTube vorhanden. Hinzu kommt die noch unvollständige Integration künstlicher Intelligenz, die Content-Creator bei der Erstellung unterstützen sollen. Insbesondere automatisierte Elemente erfordern derzeit eine hohe manuelle Kontrolle, während ständige Updates und die hohe Dynamik von Social Media eine kontinuierliche Anpassung erschweren und über reguläre Content-Management-Systeme kaum abzubilden sind.
Mehr zum Thema Social-Media-Marketing können Sie hier nachlesen.
Die kontinuierliche Überprüfung und Optimierung der barrierefreien Gestaltung ist ebenso wichtig wie die Schulung der Social-Media-Manager und Content Creator, die für die Erstellung und das Posting von Inhalten verantwortlich sind. Diese Manager sollten sich bewusst sein, dass die Barrierefreiheit von Content ein integraler Bestandteil ihrer Aufgaben ist und stets auf dem neuesten Stand der barrierefreien Richtlinien und Standards bleiben.
Trotz dieser Herausforderungen lohnt sich der Aufwand. Ein bewusster und vorausschauender Umgang mit den verfügbaren Optionen trägt dazu bei, dass Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten gleichermaßen am digitalen Dialog teilnehmen können. Zudem stärkt es das Engagement und die Reichweite der erstellten Inhalte. Für eine erfolgreiche Online-Präsenz ist es daher unerlässlich, stets mit den aktuellen Entwicklungen der Funktionen vertraut zu sein und eine vielfältige Zielgruppe nicht nur inhaltlich, sondern auch funktional anzusprechen.
Fazit: Wie wir das BFSG die Social Media Arbeit zukünftig beeinflussen?
Die ständig wachsende Dynamik der Social-Media-Landschaft sowie die Erweiterung der Richtlinien erfordert eine hohe Expertise bei der Umsetzung geeigneter Maßnahmen. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) und die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) setzen eindeutige Standards für barrierefreie Webinhalte, die von Unternehmen und Agenturen beachtet werden müssen. Regelmäßige Schulungen und wiederholte Sensibilisierung für barrierefreies Marketing und die zugehörigen assistierenden Techniken wie Screenreader sind ebenfalls entscheidend für grundlegende Veränderungen in der eigenen Kommunikation. Mitarbeitende, die für die Umsetzung barrierefreier Designs im Rahmen digitaler Angebote zuständig sind und genannte Richtlinien anwenden müssen, müssen für das Thema Barrierefreiheit sensibilisiert werden und darin weitergebildet werden.
Alle daraus resultierenden Maßnahmen sollten nicht nur als rechtlich notwendige Anpassung, sondern als Bereicherung betrachtet werden, um sicherzustellen, dass soziale Netzwerke wie LinkedIn und Meta zu einem Ort werden, an dem Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert wird. Denn die Umsetzung barrierefreier Standards und Richtlinien ist nicht nur eine gesetzliche Anforderung, sondern auch eine Gelegenheit, die Reichweite und damit den Einfluss der eigenen Online-Präsenz zu erweitern und gleichzeitig einen positiven Beitrag zur sozialen Verantwortung zu leisten.
Sie haben Interesse an einem Social-Media-Auftritt mit der passenden Strategie? Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
Möchten Sie wissen, ob Sie vom Barrierefreiheitsstärkungsgesetz betroffen sind? Finden Sie es mit unserem BFSG Quick-Check heraus.
FAQ zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)
Checkliste "Barrierearmut im Netz"
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